Es war mein langgehegter Wunsch, selber einen Hund zu haben. Meine Eltern waren überzeugt und alles, was feststand war, daß es eine Hündin sein sollte. Über einige Umwege kam ich schließlich zum Golden Retriever und fand auch schnell eine Züchterin nicht weit von Liverpool und Wallasey, wo ich damals wohnte. So kam also Tessa als Familienhund zu uns.
 
Tessa ist eine wirkliche Lady in allem, was sie tut. Sie wirkt niemals aufgeregt, gehetzt oder ungeduldig (naja, außer vielleicht, wenn es um Futter geht), sondern strahlt immer Ruhe und Eleganz aus. Sie liebt alle Menschen, je mehr da sind, desto besser, ein richtiger Partymensch ... ähh -hund. Sie ist fast immer freundlich und gut gelaunt, nur manchmal wirkt sie ein wenig melancholisch und gibt abgrundtiefe Seufzer von sich. - Vor allem dann, wenn sie ein Leckerchen gesehen hat, es aber nicht bekommen konnte.
 
Tessa ist sehr schlau, ich würde sogar sagen gerissen, was sie hauptsächlich dazu einsetzt, um an Futter zu gelangen oder um einmal kurz und unbemerkt in einem Teich oder Fluß zu verschwinden, solange man nicht aufpaßt. Mein Mädchen besitzt viel Witz, der allerdings auf den ersten Blick nicht für jeden erkennbar ist - lebt man mit ihr zusammen, tritt er ständig zutage. Tessa ist ein Hund, der oft erst auf den zweiten Blick von allen geliebt wird, dann aber für immer und ohne Einschränkungen. Auf den ersten Blick erscheint sie nämlich immer ein bißchen still und unscheinbar, zumal sich die beiden Jungs glänzend darauf verstehen, sich in den Vordergrund zu schieben.
 
Tessa hat einen ausgeprägten Sinn für Harmonie und sorgt immer dafür, dass im Rudel Ruhe herrscht - und das ohne jemals zu knurren oder sich durchsetzen zu müssen. Alleine durch ihre Ausstrahlung haben alle Hunde, egal ob klein oder groß, jung oder alt, Respekt vor ihr.
Sie ist einfach eine so sanfte und starke Persönlichkeit, die mich auch heute noch jeden Tag auf's neue fasziniert.
 
Weil mein kleines Mädchen so viele tolle Eigenschaften und einen so einwandfreien und schrecklich lieben Charakter hat, entstand schnell die Idee, mit ihr zu züchten, so daß Tessa 1999 die Stammhündin meines Zwingers Ulfilas wurde.
Seither hat sie drei Würfe liebevoll großgezogen. Sie hat ihr ausgeglichenes und sanftes Wesen und viele weitere gute Anlagen wie z.B. eine sehr sehr große Arbeitsfreude und vor allem auch ihre gute Gesundheit an ihre Kinder weitergegeben.
 
Mit 7 Jahren durfte Tessa als Zuchthündin ihren Ruhestand antreten. Sie ist auch danach noch lange Jahre jung geblieben und hat sich meistens wie ein Junghund im größten Flegelalter benommen. Als Justus 2002 einzog, schien es, daß Tessa noch einmal drei Jahre jünger wurde. Justi ist der Kerl, in den sie sich wirklich verliebt hat. Der "Kleine" ist ihre große Liebe - die zwei sind den ganzen Tag lang unzertrennlich und haben bis Tessa etwa 10 Jahre alt wurde Tag für Tag stundenlang miteinander getobt.
Nun ist Tessa schon 13,5 Jahre alt und ein ruhiger geworden. Das Gesichtchen wird immer grauer, sie schläft viel mehr als früher, legt viel Wert auf ein gemütliches Bettchen und ihre Nachtruhe, ist aber ansonsten noch sehr gesund und lustig wie eh und je.
Wenn es um Fressen in welcher Form auch immer geht, ist sie nach wie vor die Schnellste im Rudel. Das Alter und auch die Kastration haben Spuren hinterlassen - Tessa steht nun weit über den Dingen. Gehorsam nimmt sie nicht mehr allzu ernst und gerne schiebt sie schon mal ihre Taubheit vor, damit sie nicht hören muss. Als wir vor etwa einem Jahr bemerkt haben, dass Tessa immer weniger mitbekommt, haben wir angefangen, sie komplett auf Sichtzeichen umzustellen, was auch weitgehend sehr gut klappt. Die meisten hatte ich ihr schon vor Jahren beigebracht, einige neue sind dazu gekommen. Tessa lernt immer noch recht schnell, solange die Belohnung stimmt.
 
Im Alter von 12 bis 13 Jahren fing Tessa an, eine ungewohnte Schnelligkeit bei unseren Spaziergängen zu entwickeln - wie viele alte Hunde, wenn sie einmal in Schwung sind, ist sie getrabt und getrabt, vergaß dann einfach, sich umzuschauen und rannte dann schnell mal in eine Richtung, die wir gar nicht einschlagen wollten. Aufgrund ihrer Taubheit war sie dann auch nicht mehr zu stoppen und ich musste oftmals die Beine in die Hand nehmen, um das alte Tierchen wieder einzufangen.
Eine Situation, die für uns alle etwas anstrengend war, bis ich auf die Idee kam, Justus beizubringen, das alte Mädchen zu apportieren.
Seitdem trug Tessa ein kleines Dummy am Halsband und Justus hat gelernt, die alte Dame am Dummy zu fassen und zu mir zurück zu bringen, was hervorragend klappte, solange keine allzu große Ablenkung da war und uns wieder ein ganz normales Leben mit Tessa ermöglichte. Die ganze Geschichte dazu wird übrigens auf dieser Homepage unter diesem Link erzählt und in Bildern gezeigt.
 
Leider ist Tessa im März diesen Jahres gestorben. Wir hatten viele schöne Jahre zusammen Tessa war immer gesund und quietschfidel, bis zu ihrem allerletzten Tag. Ich bin unendlich dankbar, dass wir Dich so lange haben durften, kleine Maus, ich werde Dich niemals vergessen. Du warst für mich die Welt, mein erster Hund und eine ganz große Liebe, der Anfang eines ganz neuen Lebens. Mach's gut, mein Mädchen.
 








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